top of page

Schulter & Ellbogen

 

Akute Verletzung der Schulter

Hintergrund & Ursachen

Stürze auf die Schulter oder den ausgestreckten Arm, Sportunfälle, Ausrenkung (Luxation). Mögliche Verletzungen: Schulterluxation, Rotatorenmanschettenriss, Labrumriss (SLAP-/Bankart-Läsion), Schlüsselbeinfraktur, Schultereckgelenksprengung (AC -- Luxation), Knochenbrüche.

Symptome

Akuter Schmerz, Bewegungseinschränkung, Schwellung, Bluterguss. Bei Luxation: sichtbare Fehlstellung, federnde Fixation, ev. Gefühlsstörungen im Arm. Bei Rotatorenmanschettenriss: Kraftverlust beim Armheben oder drehen, Nachtschmerz im Oberarm. Bei Schlüsselbeinfraktur: tastbare Stufe, Schmerzen bei Armbewegung. Bei Oberarmfrakturen: Schmerzen, Schwellung, Bewegungsunfähigkeit.

Untersuchung & Diagnose

Klinische Untersuchung mit Funktionsprüfung (soweit möglich). Röntgen zum Fraktur- und Luxationsausschluss. Ultraschall für Sehnen und Schleimbeutel. MRT bei Verdacht auf Band- bzw. Sehnenverletzung, Labrumriss oder okkulter Fraktur.

Therapie

Abhängig von der Verletzung: Reposition bei Luxation, Ruhigstellung, Schmerztherapie, Physiotherapie. Operativ bei: nicht reponierbarer Luxation, rezidivierender Instabilität, Rotatorenmanschettenriss, verschobenen Frakturen, Schultereckgelenksprengung.

 

Arthrose (Verschleiß)

Hintergrund & Ursachen

Fortschreitender Knorpelabbau im Schultergelenk (Omarthrose) oder im Schultereckgelenk (AC-Gelenksarthrose). Ursachen: Patientenalter, vorausgegangene Verletzungen, chronische Instabilität, berufliche oder sportliche Überlastung, Rheuma. AC-Gelenksarthrose ist sehr häufig, auch bereits bei jungen Patienten und entsteht häufig nach Verletzungen.

Symptome

Schultergelenkarthrose: belastungsabhängige Schmerzen, Bewegungseinschränkung in alle Richtungen, Krepitation, Nachtschmerzen. AC-Gelenksarthrose: Schmerzen beim Griff über die Schulter (Überkopf, Kreuzgriff), Druckschmerz über dem AC-Gelenk, oft lange schmerzfrei und unbemerkt.

Untersuchung & Diagnose

Klinische Funktionstests, Röntgen (Gelenkspalt, Osteophyten), Ultraschall (Erguss, Rotatorenmanschettenverletzung), MRT bei Bedarf. Cross-Body-Test und Drucktest für AC-Gelenk. Gegebenenfalls diagnostische Infiltration zur Bestätigung.

Therapie

Konservativ: Physiotherapie, Schmerzmedikation, Infiltrationen (Hyaluronsäure, Cortison, ACP/PRP, Stammzellen). AC-Gelenksarthrose: Infiltration, ggf. arthroskopische Entfernung des lateralen Claviculaendes. Schultergelenkarthrose bei fortgeschrittenem Stadium: Schulterprothese (anatomisch oder invers, je nach Zustand der Rotatorenmanschette).

​

Rotatorenmanschettenriss

Hintergrund & Ursachen

Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Muskeln und Sehnen, die das Schultergelenk stabilisieren und feine Bewegungen ermöglichen. Risse entstehen degenerativ (häufig ab 50+) oder traumatisch (Sturz, Ausrenkung). Risikofaktoren: Risikosportarten, chronisches Impingement, Rauchen, Diabetes, Stoffwechselstörungen, wiederholte Überkopfarbeit.

Symptome

Schmerzen seitlich an der Schulter oder Oberarm bei Überkopfbewegungen und Nachts (Liegen auf der betroffenen Seite). Kraftverlust beim Armheben und Außen- oder Innenrotation. Schwierigkeiten bei Alltagstätigkeiten (Jacke anziehen, Haare kämmen). Bei akutem Riss: plötzlicher Schmerz und Funktionsverlust.

Untersuchung & Diagnose

Klinische Funktionstests (Jobe-Test, Drop-Arm-Test, Außenrotations-Lag-Sign, usw.). Ultraschall als schnelle Erstdiagnostik. MRT als Goldstandard zur Beurteilung von Rissform, -größe und Muskelqualität (fettige Degeneration).

Therapie

Kleine, degenerative Teilrisse: konservativ mit Physiotherapie, Infiltrationen, Stoßwellentherapie und Magnetfeldtherapie. Größere Risse oder akute Risse bei aktiven Patienten: arthroskopische Sehnennaht (Rotatorenmanschettenrekonstruktion). Massive, irreparable Risse: Muskeltransfer oder inverse Schulterprothese. Rehabilitation nach OP: 6-8 Wochen Armschlinge, dann schrittweiser Aufbau über 3--6 Monate, sehr aufwendige Physiotherapie und oft lange Restbeschwerden trotz bester Versorgung!

​

Kalkschulter (Tendinitis calcarea)

Hintergrund & Ursachen

Kalkablagerung in den Sehnen der Rotatorenmanschette, meist in der Supraspinatus-Sehne. Genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt -- vermutet werden lokale Durchblutungsstörungen und chronische Reizung der Sehne. Betroffen sind häufig Frauen zwischen 30 und 50 Jahren. Verläuft in Phasen: Entzündung & Kalkbildung → Ruhephase → Resorption.

Symptome

In der Kalkbildungsphase oft wenig Beschwerden. In der Resorptionsphase (körpereigener Abbau) plötzliche, heftigste Schmerzen -- oft so stark, dass der Arm kaum bewegt werden kann. Nachtschmerz, Schmerzausstrahlung in den Oberarm. Akute Phasen können spontan auftreten.

Untersuchung & Diagnose

Röntgen zeigt die Kalkdepots deutlich. Ultraschall visualisiert Lage und Größe in Echtzeit und ist ideal für Verlaufskontrolle und gezielte Therapie. MRT nur bei unklarer Diagnose oder Verdacht auf zusätzlichen Sehnenriss.

Therapie

Hochenergetische fokussierte Stoßwellentherapie -- hohe Erfolgsrate. Ergänzend: orale Entzündungshemmung, entzündungshemmende Infiltrationen, Physiotherapie, Needling (ultraschallgestützte Kalkpunktion). Arthroskopische Kalkentfernung bei Therapieversagen und/oder sehr großen Depots.

 

Schulterenge (Impingement)

Hintergrund & Ursachen

Einklemmung von Sehnen der Rotatorenmanschette und des Schleimbeutels unter dem Schulterdach. Ursachen: knöcherne Enge (Knochensporn am Akromion), Schleimbeutelentzündung, Sehnenverkalkung, muskuläre Dysbalancen (dezentriertes Schultergelenk), Fehlhaltung.

Symptome

Schmerzhafter Bogen: Schmerzen beim Armheben zwischen ca. 60° und 120°. Nachtschmerz beim Liegen auf der betroffenen Seite. Schmerzen bei Überkopfarbeiten. Eingeschränkte Beweglichkeit und Kraftverlust. Chronisch unbehandelt: Schädigung der Rotatorenmanschette.

Untersuchung & Diagnose

Klinische Impingement-Tests (Neer, Hawkins-Kennedy). Ultraschall (Schleimbeutel, Sehnen, ggf. Kalk). Röntgen (Akromionform, Knochensporn). MRT bei Verdacht auf Sehnenriss oder Sehnenveränderung.

Therapie

Konservativ: Physiotherapie (Zentrierung des Schultergelenks durch Kräftigung der Rotatorenmanschette und Skapulastabilisatoren), Stoßwellentherapie bei begleitender Verkalkung, entzündungshemmende Infiltrationen, Kinesio Taping. Operativ: arthroskopische subacromiale Dekompression (Erweiterung des Raums unter dem Schulterdach, Abtragung von Knochensporn) bei Versagen der konservativen Therapie über 3--6 Monate.

​

Verletzung der Bizepssehne

Hintergrund & Ursachen

Entzündung, Teilriss oder Komplettruptur der langen Bizepssehne am Schultergelenk. Degenerative Veränderungen (häufig) oder akute Verletzung. Oft assoziiert mit Rotatorenmanschettenläsionen und Impingement. Distaler Bizepssehnenriss am Ellbogen: meist akutes Trauma bei kräftiger Beugung.

Symptome

Proximal (Schulter): Schmerzen vorne an der Schulter, Druckschmerz in der Bizepsrinne. Bei Ruptur: \"Popeye-Muskel\" (Muskelbauch rutscht nach unten). Distal (Ellbogen): plötzlicher Kraftverlust bei Unterarmdrehung und Beugung, Bluterguss, tastbare Delle.

Untersuchung & Diagnose

Klinische Tests: Speed-Test, Yergason-Test (proximal); Hook-Test (distal). Ultraschall zeigt Sehnenveränderungen und Risse. MRT zur detaillierten Beurteilung.

Therapie

Proximale Läsion: Konservativ -- Physiotherapie, Ultraschall gezielte Infiltrationen (z.B. ACP), Magnetfeldtherapie. Akute operative „SLAP-Repair" meist nur bei jungen Sportlern indiziert. Bei chronischer Schmerzsymptomatik: arthroskopische Sehnenverlagerung (Tenodese / Tenotomie). Distaler Bizepssehnenriss: operative Refixierung innerhalb von 2--3 Wochen empfohlen, da eine verzögerte Versorgung schlechtere Ergebnisse liefert.

 

Schlüsselbeinbruch (Claviculafraktur)

Hintergrund & Ursachen

Häufiger Bruch, meist durch Sturz auf die Schulter oder den ausgestreckten Arm. Betroffen ist typischerweise das mittlere Drittel des Schlüsselbeins. Häufig bei Fahrrad- und Motorradstürzen, Kontaktsportarten und Skifahren.

Symptome

Schmerzen über dem Schlüsselbein, tastbare Stufe oder Fehlstellung, Schwellung, Bluterguss. Schmerzbedingte Einschränkung der Schulterbewegung. Schonung: der Arm wird gegen den Körper gehalten.

Untersuchung & Diagnose

Klinische Diagnose oft augenscheinlich. Röntgen bestätigt Fraktur, zeigt Verschiebung und Fragmentstellung. CT bei komplexen Frakturen oder gelenksnaher Beteiligung.

Therapie

Nicht oder wenig verschobene Frakturen: konservativ mit Schulterverband, frühfunktionelle Beübung. Indikationen zur operativen Versorgung: starke Verkürzung (>2 cm), verschobener Bruch, offene Frakturen, mehrere Fragmente, drohende Hautverletzung, Gefäß- oder Nervenverletzung und bei jungen, sportlich aktiven Patienten.

​

Schultereckgelenks Verletzung (AC-Luxation)

Hintergrund & Ursachen

Verletzung der Bänder des Schultereckgelenks (Acromioclaviculargelenk) durch direkten Sturz auf die Schulter oder den Arm. Klassifikation nach Rockwood (Grad I--VI). Häufig bei Kontaktsportarten, Mountainbiking und Skifahren.

Symptome

Schmerz und Schwellung über dem Schultereckgelenk. Bei höhergradigen Verletzungen: sichtbares Höhertreten der Klavikula (Stufe zwischen Schlüsselbein und Akromion, \"Klaviertastenphänomen\"). Schmerzen bei Armbewegungen, besonders beim Greifen zur Gegenseite.

Untersuchung & Diagnose

Klinische Inspektion und Palpation. Zuerst unbelastete und anschließend belastete Panoramaaufnahme (Röntgen beider Schultereckgelenke mit Gewichten) zur Klassifikation. MRT bei Verdacht auf Begleitverletzungen.

Therapie

Rockwood I--II: konservativ (Schulterverband, Schmerztherapie, Physiotherapie). Rockwood III: individuell -- konservativ bei geringer Belastungsanforderung, operativ meist bei Sportlern und Überkopfarbeitern. Ab Rockwood IV: operative Stabilisierung. Akut: teils arthroskopisch-assistierte Techniken mit speziellen Fadenimplantaten (Flaschenzugsystem). Chronisch: offene Bandrekonstruktion mit eigenem Sehnentransplantat.

 

Schleimbeutelentzündung (Bursitis subacromialis)

Hintergrund & Ursachen

Entzündung des Schleimbeutels unter dem Schulterdach. Häufig im Rahmen eines Impingement-Syndroms. Weitere Auslöser: Überlastung, Kalkschulter, Rheuma, Trauma.

Symptome

Schmerzen beim seitlichen Armheben, Nachtschmerz, Druckempfindlichkeit unter dem Akromion. Schmerzausstrahlung in den Oberarm. Eingeschränkte Beweglichkeit. Plötzliche und massive Beschwerden und starke Schmerzen möglich!

Untersuchung & Diagnose

Klinische Impingement-Tests. Ultraschall zeigt verdickte, flüssigkeitsgefüllte Bursa. Röntgen (Knochensporn, Kalk). MRT bei Verdacht auf Begleitpathologie.

Therapie

Konservativ: entzündungshemmende Medikamente, Kühlung, Physiotherapie, Infiltration mit Cortison. Stoßwellentherapie und Magnetfeldtherapie. Operativ: Arthroskopische Schleimbeutelentfernung und Entlastung bei chronischer Therapieresistenz -- gleichzeitig ist die Therapie der Ursache wichtig, z.B. Entfernung von Knochenvorsprüngen.

 

Tennis Ellbogen (Epicondylitis lateralis)

Hintergrund & Ursachen

Schmerzhafte Reizung der Sehnenansätze der Unterarmstrecker am äußeren Ellbogen. Überlastung durch repetitive Greif- und Drehbewegungen. Nicht nur Tennis ist Auslöser, sondern auch häufig Büroarbeit (Mausbenutzung, Tastatur), Handwerk oder Gartenarbeit. Pathologisch handelt es sich um eine degenerative Sehnenveränderung mit Mikroeinrissen, nicht nur um eine klassische Entzündung.

Symptome

Druckschmerz am äußeren Ellbogen, Schmerzen beim Greifen (Händedruck, Tasse halten, Türklinke betätigen), Schmerzen beim Strecken des Handgelenks gegen Widerstand. Ausstrahlung in den Unterarm. Morgendliche Steifigkeit. In schweren Fällen Kraftverlust der Hand.

Untersuchung & Diagnose

Klinische Diagnose: Druckschmerz am lateralen Epicondylus, positiver Hebetest und positiver Widerstandstest (Mittelfinger-Extensionstest). Ultraschall zeigt Sehnenveränderungen, Mehrdurchblutung und mögliche Einrisse. Röntgen zum Ausschluss von Verkalkungen. MRT bei therapieresistenten Fällen.

Therapie

Oft mühsame und mehrstufige Therapie erforderlich: 1\) Schonung, Epicondylitis-Bandage (Epikondylitisspange), Physiotherapie, exzentrische Dehnübungen.) Stoßwellentherapie (gute Evidenz bei chronischen Verläufen) und Magnetfeldtherapie. 3\) Infiltrationen: ACP-Eigenbluttherapie (Wachstumsfaktoren fördern die Sehnenheilung), Cortison nur kurzfristig und mit Vorbehalt. 4\) Kinesio Taping. 5\) Operative Denervierung oder Sehnenrelease nur in seltenen, therapieresistenten Fällen (\>12 Monate). Die meisten Patienten werden konservativ erfolgreich behandelt.

 

Golfer Ellbogen (Epicondylitis medialis)

Hintergrund & Ursachen

Schmerzhafte Reizung der Sehnenansätze der Unterarmbeuger am inneren Ellbogen. Überlastung durch repetitive Beuge- und Drehbewegungen: Golf, Klettern, Krafttraining, Wurfsportarten, Handwerk.

Symptome

Druckschmerz am inneren Ellbogen, Schmerzen beim Beugen des Handgelenks und beim kräftigen Faustschluss, Ausstrahlung in den Unterarm (Innenseite). In ausgeprägten Fällen auch Greifschwäche.

Untersuchung & Diagnose

Klinische Tests: Druckschmerz am medialen Epicondylus, Widerstandstest der Handgelenksbeugung und Pronation. Ultraschall und bei Bedarf MRT. Wichtig: Ausschluss einer Ulnaris - Nervenkompression (zeigt sich u.a. durch Taubheit / Kribbeln im Ring- und Kleinfinger).

Therapie

Analog zum Tennisellbogen: Schonung, Bandage, exzentrische Übungen, Stoßwellentherapie, Magnetfeldtherapie, ACP-Eigenbluttherapie, Kinesio Taping. Physiotherapie zur Korrektur der auslösenden Belastungsmuster. Operative Maßnahmen nur als Ausnahme.

 

Bewegungseinschränkung (Frozen Shoulder)

Hintergrund & Ursachen

Adhäsive Kapsulitis -- schmerzhafte Versteifung des Schultergelenks durch Schrumpfung und Entzündung der Gelenkkapsel. Primär (idiopathisch): Ursache unklar. Sekundär: nach Trauma, OP oder Ruhigstellung. Risikofaktoren: Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, lange Ruhigstellung, chronische Entzündung, Operation. Häufiger bei Frauen zwischen 40 und 60.

Symptome

Drei Phasen: 1) Einfrierphase (2--9 Monate): zunehmende Schmerzen, besonders nachts. 2) Gefrorene Phase (4--12 Monate): Steifigkeit dominiert, Schmerzen lassen nach, massive Bewegungseinschränkung in allen Richtungen (aktiv und passiv). 3) Auftauphase (5--24 Monate): langsame Besserung.

Untersuchung & Diagnose

Klinische Diagnose: typische Bewegungseinschränkung in allen Ebenen, aktiv und passiv gleich. Oft besonders die Innenrotation gestört. Röntgen zum Arthroseausschluss. MRT zeigt verdickte Gelenkkapsel.

Therapie

Konservativ: Schmerztherapie, Cortison-Infiltrationen in das Gelenk (beschleunigen nachweislich den Verlauf), Hydrodilatation, schmerzadaptierte Physiotherapie (kein forciertes Dehnen in der Schmerzphase!), Stoßwellentherapie. Bei ausbleibender Besserung: Narkosemobilisation (vorsichtige Lösung der Verklebungen unter Narkose) oder arthroskopisches Kapselrelease. Unbehandelte Gesamtdauer: 1--3 Jahre.

​

Die Inhalte dieser Seite dienen lediglich der Information und ersetzen nicht den Besuch beim Arzt.
 

bottom of page